Metropole Sydney Teil5

31. Dezember: Sydney Samstag, Silvester

Heute nun ist der große Tag. Wir stärken uns mit Frühstück im „Waterfront Cafe and Grill“. Vor allem die Pancakes mit Erdbeeren sind lecker.

Wir starten mit einem Besuch in der Lebensmittelabteilung von Woolworth am QVB und decken uns mit Picknick ein. Außerdem erstehen wir einen Regenschirm – dieses Mal als Sonnenschutz und nicht wie im Juni in Broome als Regenschutz. Zusammen mit anderen Deutschen finden wir doch noch einen Bus, der uns zu Mrs. Maquaries Chair bringt. Die Landspitze, neben dem Botanischen Garten und gegenüber vom Opernhaus, bietet den besten Blick auf das Feuerwerk über Oper UND Brücke. Es ist der ultimativ beste Platz! Allerdings empfiehlt es sich, schon gegen 10 oder 11 Uhr morgens zu kommen. Die wirklich guten Plätze sind knapp. Und insgesamt fasst das Areal nur 25.000 Personen. Wer zu spät kommt, steht vor dem Zaun.

Wir kommen zügig durch die Sicherheitskontrollen und finden eine Stelle mit guter Sicht und – wichtig – etwas Schatten. Ich stelle auch gleich mein Stativ auf, um nachts schöne Aufnahmen machen zu können. Noch zwölf Stunden. Um später an der Bar Bier und Wein kaufen zu können, muss man sich als Über-21-Jähriger ausweisen und ein Armband (wie in vielen All-Inclusive-Hotels besorgen). Ich stehe etwa 45 Minuten an, Sandra etwa 70 Minuten. Noch zehn Stunden. Mit Picknick, Lesen, Kniffel (gestern noch gekauft), Faullenzen schlagen wir die Zeit tot. Zwischendurch beginnt das Unterhaltungsprogramm mit einem Kanonenschuss und einer kleinen Flugschau. Die Bucht füllt sich mehr und mehr. Denn besser als von unserem Platz sieht man das Feuerwerk natürlich vom Boot aus. Aber bei frühzeitiger Buchung hätte das pro Person rund 300$ gekostet. Noch sechs Stunden. Ich stelle mich an der Bier an: Nach gut 45 Minuten Wartezeit kehre ich mit zwei Bier und einer Flasche Rotwein zurück. Wir stoßen dieses Jahr mit Rotwein statt mit Sekt an, die Warterei macht einfach keinen Spaß. Sandra organisiert zwei Hamburger, das geht schneller. Dafür wird sie von den Flughunden attackiert. Die Sydney-Sider selbst haben opulente Picknicks mitgebracht, zum Teil auch Tische und Stühle. Und plötzlich ist es dunkel, die Dämmerung geht halt schnell.

Es kommen immer noch Leute. Offenbar ist es dieses Jahr nicht so voll wie in den Vorjahren. Eine Familie mit zwei Kindern setzt sich neben uns. Endlich ist es soweit – fast: Um 21 Uhr beginnt das erste Feuerwerk, auch als Familienfeuerwerk tituliert. Ganz nett als Einstimmung. Und noch knapp drei Stunden. Jetzt warten wir im Dunklen, denn an Kerzen oder Taschenlampen haben wir natürlich nicht gedacht. Die Familie geht wieder. Aber wir kommen mit einer anderen Familie ins Gespräch. Die beiden kommen ursprünglich aus Durban (Südafrika) und Griechenland, leben seit einigen Jahren in Sydney und sind erstmals live dabei.

Ich muss den Platz für mein Stativ verteidigen, da immer mehr Besucher kommen bzw. ihren Standort verändern. Mittlerweile könnte man übers Wasser gehen – so viele Boote ankern in der Bucht. Die Ausflugsboote sind alle mit Lichterketten behangen. Eine romantische Szenerie spielt sich vor unseren Augen ab. Noch eine Stunde. Das Herz an der Brücke blinkt mittlerweile schneller. Es ist quasi der Countdown. Das Herz ist in den Vorwochen montiert worden. Wir können den großen Moment kaum abwarten, gleich ist es aber soweit. Wir haben entschieden, keine Fotos zu machen, sondern nur die Video-Kamera das Spektakel komplett aufnehmen zu lassen. Wir wollen das Feuerwerk genießen und uns nicht ablenken lassen. Noch wenige Minuten. Gerade noch startet ein Flugzeug. Wer verlässt jetzt Sydney? Das Licht auf der Brücke geht aus. Jetzt ist es gleich so weit.

Mitternacht. Ein Feuerstrahl jagt über die Brücke und eröffnet das Feuerwerk. Fast hätte man den Beginn verpasst. Wir erleben ein gigantisches Feuerwerk, die Bucht ist hell erleuchtet. Besonders beeindruckend sind die Szenen an und auf der Brücke. Die Lichter der Raketen scheinen zu hüpfen. Zwölf Minuten Lichtgenuss für die Ewigkeit. Und am Ende folgt noch der Goldregen von der Brücke… Es ist sind imposante Minuten. Die Australier singen ein Lied, das eher an Weihnachten klingt. Wir kennen die Melodie, mehr aber nicht. Die nunmehr 13 Stunden Wartezeit haben sich gelohnt.

Obwohl wir außer Warten nicht viel gemacht haben, sind wir dennoch ziemlich geschafft. Wir machen uns auf den Heimweg zu Fuß ins Hotel. Das Pfand für die Weinflasche lassen wir verfallen, an der Bar ist schon wieder eine lange Schlange. Zwischendurch rufen wir Dieter und Elvira auf dem Handy an. Sie hatten erst ein Silvester-Menü in einem Restaurant gebucht und dann in Darling Harbour aufs Feuerwerk gewartet. Wir hatten avisiert, gemeinsam noch anzustoßen. Sie hatten jedoch Glück und haben den letzten Bus Richtung Parramatta, wo sie derzeit wohnen, erreicht. Somit werden wir uns erst in Deutschland im Juli wieder sehen. Nach etwa einer Stunde Fußmarsch sind wir wieder im Hotel. Wir gehen noch mal raus, doch in Darling Harbour ist nicht mehr viel los. Schade eigentlich und unerwartet. Das Bier schmeckt dann doch nicht mehr so wirklich.

Tag 31 1. Januar: Sydney Sonntag, Neujahr

Wir wollen das neue Jahr am Strand beginnen. Das Frühstück im „Cafe Fioriani’s“ ist nicht zu empfehlen, teuer und schlecht. Nicht zu vergleichen mit gestern. Mit der Fähre geht es quer durch die Bucht nach Manly – und wir sind nicht einzigen mit dem Wunsch nach Sonne, Strand und Meer. Es ist heiß und windig. Da Sonnenschirme nicht mehr erhältlich sind, suchen wir uns einen schattigen Platz an der Promenade. Neben dem Baden im Meer wollten wir eigentlich noch eine kleine Wanderung machen. Doch dazu ist es zu heiß: Mit 45 Grad ist es der wärmste Tag aller Zeiten in Sydney. Nach dem zweiten Ausflug ins kühle Nass heißt es Abschied nehmen. Denn wir müssen noch packen. Und es hat sich wieder viel Gepäck angesammelt… Vorher laufen wir noch die Stadt, gehen ins Internet-Cafe und kaufen eine letzte Schale Erdbeeren.

Heute haben wir vorausgedacht und rechtzeitig einen Tisch fürs Dinner reserviert: Unser Abschiedsessen steigt in „Nick’s Seafood Restaurant“ (das „Angus“ und „Nicks Bondi Pavillion“ gehören auch dazu). Ein letztes Mal genießen wir frische Garnelen, leckeren Snapper als Hauptgericht und Creme Brulee. Und draußen stehen die Touristen Schlange. Plötzlich ein lauter Knall: Ein kräftiger Windstoß hat die Restaurant-Karte vom Laternenmast gerissen, auch auf den Tischen fällt vieles um. Es windet auf. Endlich wird es angenehm. Wobei wir trotz der Hitze einen Tisch auf der Terrasse gewählt hatten, es ist schließlich vorerst der letzte warme Abend. Binnen 20 Minuten fällt dann die Temperatur um 20 Grad, wie wir am nächsten Tag lesen werden.

Und nach Paris und Dubai, Berlin sowieso, darf auch in Sydney ein Absacker in einer tollen Bar nicht fehlen. Wir entscheiden uns für das Shangri-La-Hotel. Aus der Bar „Blu Horizon“ in im 36. Stock blicken wir ein letztes Mal auf Oper und Brücke. Die Cocktails sind nicht so gut. Wahrscheinlich muss den Spezial-Cocktail trinken: 24 Stunden vorher bestellen, für 10.000$, ein Diamant im Glas.

Tag 32 2. Januar: Sydney Kuala Lumpur (Montag)

Warum haben wir nur gestern so früh den Strand verlassen? Wir hätten heute packen sollen. Der Himmel weint, weil wir Sydney verlassen müssen. Es ist grau und nass. Wir checken aus und gehen wieder ins „Waterfront Cafe and Grill“ zum Frühstück. Dort war es lecker, und wir haben vom Dinner am ersten Abend noch Rabatt-Marken. Das tröstet über das schlechte Wetter hinweg.

Nach dem wenig erfreulichen Abschied 2001 haben wir uns heute den perfekten Abschiedstag gewünscht. Wir fahren – wieder einmal und zugleich zum letzten Mal – Fähre: Nach Taronga Zoo, den weltberühmten Zoo. Und gleich bei den Koalas regnen wir ein, gut dass einen Regenschirm haben. Die kleinen putzigen Bären, sonst extrem faul und 20 Stunden am Tag schlafend, sind extrem aktiv. Wir stören zwei, die viel Spaß haben… Und nebenan hüpft einer von Baum zu Baum. Wir haben die Szene zwar nicht auf Video, aber für immer vor Augen. Darüber hinaus sehen wir die gesamte australische Tierwelt. Sandra will vor allem die Echidnas sehen, quasi den australischen Igel. Doch schon bald müssen wir zurück.

Leider vertrödeln wir beim Lunch im Cafe aus „Nicks“-Imperium viel Zeit. Doch im Schnelldurchlauf schaffen wir es noch, im Maritim-Museum den dort im Wasser liegenden Nachbau der „Endeavour“ zu besichten. Mit diesem Schiff hatte einst James Cook Australien entdeckt. Es ist kaum vorstellbar, dass auf diesem kleinen Schiff eine große Besatzung zwei Jahre gesegelt ist. Sehr beeindruckend. Zeit für einen Opalkauf bleibt leider nicht.

Und wie 2001 verläuft die Fahrt zum Airport chaotisch, da uns der Transferbus vergisst. Ziemlich spät erreichen wir das Terminal. Und wie im Sommer droht Stress wegen des Gepäcks. Denn wir haben wieder deutlich über 60 Kilo Gepäck. Irgendwie seltsam die Waagen in Sydney: Einige Bücher, vier Flaschen Wein, drei Flaschen Bier und der Campoven (wir erinnern uns: fünf Kilo) dürften eigentlich nicht 20 Kilo und mehr ergeben. Aber die silberne Vielfliegerkarte stimmt das Bodenpersonal milde. Der Campoven wird als Sondergepäck befördert. Wir kaufen nie wieder einen Campoven, und wenn doch, bleibt es im Zweifelsfall am Airport zurück. Da nur Christian allein Lounge-Zutritt hat, trinken wir in der Bar ein letztes Tooheys und essen die Erdbeeren. Letztmalig, wie wir denken. Doch das ist ein Fehler…

Überraschung am Gate: Wir bekommen neue Bordkarten. Für die Business-Class. Der Flieger ist überbucht, so dass wir zu unserem Glück kommen. Endlich zahlen sich mein FTL-Status und mein üppiges Meilenkonto aus. Und glücklicherweise hatte die Crew genug Zeit zu prüfen, wer qua Status „Anrecht“ auf ein Upgrade hat. Denn oft nehmen sie einfach die letzten am Check-In.

Ich setzte mich erst einmal auf den falschen Platz. Die Crew organisiert dann sogar noch zwei zusammenhängende Plätze. Das ist wirklich sehr erholsam, auch wenn es eine „alte“ Business-Class ist. Für Sandra ist eine Premiere (zumindest interkontinental, von Alice Springs nach Cairns saßen wir bei Quantas auch schon einmal in Reihe 1). Für mich natürlich „fast Routine“, schließlich durfte ich schon einige Male vorn sitzen oder besser liegen. Der Komfort ist echt klasse. Und das Essen obendrein: Nach dem Start gibt es vier Gänge, davon Vorspeisen und Dessert von einem Wagen und serviert von einem echten Koch. Dazu edle Weine und Champagner. Und vor der Landung nötigt uns der Koch noch zu einer Portion Kaiserschmarrn.

Tag 33 3. Januar: Kuala Lumpur Wien Frankfur

Wir sind pünktlich in Kuala Lumpur. Dennoch fehlt für eine Flughafenerkundung wieder die Zeit. Immerhin: Heute haben wir die freie Wahl, wenn es heisst: „Passengers in First and Business Class and StarAlliance-Gold-Members can board at any time, please take the left door.“ So gehen wir ganz gelassen an Bord. Schade, dass es nicht immer so sein kann.

Normalerweise verzichten wir auf dem zweiten Flug ganz oder teilweise aufs Essen, um auf der langen Strecke heimwärts besser schlafen zu können. Doch nicht heute: Es wird ein Fünf-Gänge-Menü serviert. Und stilecht werden erst Tischdecken ausgebreitet, Salz- und Pfeffersteuer für jeden verteilt. Steigerung gegenüber dem ersten Essen: Nun gibt es auch eine Suppe, die der Koch aus dem großen Suppentopf verteilt. Nobel, geht die Welt zugrunde. Anschließend schlafen wir bis zum Frühstück: Es gibt frisches Rühreier und wie bei allen anderen Mahlzeiten frische Erdbeeren.

Entspannt erreichen wir Wien. Die dortige Lounge von Austrian Airlines ist übrigens deutlich komfortabler und mit größerem Serviceangebot versehen als deutsche Lufthansa-Lounges.

Der Flieger nach Frankfurt ist komplett gebucht. Und hier kriegen wir wieder den „vollen“ Economy-Class-Service ab: eine Flasche Wasser und ein Stück Schokolade!



Sydney war wieder wirklich klasse und ist meine Traumstadt Nummer 1. Mein Englisch hat sich in der Tat verbessert. Nicht zuletzt, weil ich zwischenzeitlich viele Tage ausschließlich Englisch gesprochen habe. So ein Leben als Schüler bzw. Student ist ebenfalls sehr lebenswert. Fast schon schade, dass ich nie an einer Uni war.

Und auch wenn ich jetzt vier Wochen dort verbracht habe und Sandra und ich nun wirklich fast alles gesehen haben: Irgendwann wollen wir nochmals zwei Wochen dort leben und ganz entspannt Urlaub machen. Denn 1999, 2001 und 2005 haben wir natürlich vor allem alles Sehenswürdigkeiten besucht und weniger relaxt. Und ebenso gilt: Die erste Teilnahme am Silvester-Feuerwerk wird nicht die einzige bleiben…

Sydney, we will come back! And CU again in Western Australia 2007 for travelling the famous Canning Stock Route from Halls Creek to Wiluna!

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